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Sturm, Gewitter und Regengüsse über Wüste und Atlantik

Von Boujdour fahren wir die eintönige Straße weiter gen Süden und weiter kommen uns viele, viele Konvois mit Militär- und Polizeifahrzeugen entgegen, so dass ich dauernd auf den Seitenstreifen ausweichen muss.  Wir übernachten hinter einem Hügel und bewundern die wunderbaren Formen, die Wind und Sand und vielleicht auch Wassen in den weichen Sandstein geschliffen haben. Manche Höhlen sind so groß, dass Torge sich hineinsetzen kann.

10.2.16 Auswaschungen im Sandstein zw. Boujdour und Dakhla
10.2.16 Auswaschungen im Sandstein zw. Boujdour und Dakhla
11.2.2016 Übernachtungsplatz
11.2.2016 Übernachtungsplatz

Ich fahre am nächsten Morgen los, bevor Torge aufsteht, um endlich Dakhla zu erreichen. Das gelingt auch und wenige km nach der Abzweigung tauchen die ersten Hinweisschilder auf die Kitesurfcamps und später an der Lagune  auch die Camps selbst auf. Jetzt fahren wir auf einer schmalen, ca. 4 km breiten Landzunge, rechts der Atlantik, den wir aber meist nicht sehen können und links die stillerer Lagune mit flachem Wasser und einer hübschen Insel in der Mitte. Still ist allerdings relativ, denn es herrscht hier ein echt starker Wind.  Wir fahren bis in die Stadt Dakhla und im berühmten Café Samarkand frühstücke ich erst mal. Torge gefällt es hier nicht, zu windig, zu sandig, und bleibt im Auto.

11.2.2016 Café Samarkand in Dakhla
11.2.2016 Café Samarkand in Dakhla

Der Wind ist wirklich unglaublich. Wir fahren einige km zurück und checken auf dem Campingplatz ein.  Eigentlich eine hübsche Anlage mit eigenem Strand direkt an der Lagune, nur etwas heruntergekommen. Hier bleiben wir für 2 Nächte, doch es ist einfach stürmisch – sehr stürmisch sogar und meistens kalt. So kalt und windig, dass man sich nicht wirklich draußen aufhalten kann, weil der fliegende Sand wie Nadeln piekst und man sofort Mund und Augen und was weiß ich noch voll hat. Spike weiß gar nicht, wie er sich mal hinsetzen soll, um sein Geschäft zu erledigen. Normalerweise hält er die Ohren aus dem Wind aber dann pustet es hinten so rein…. Wir fahren noch einmal auf die Atlantikseite und verbringen dort einen schönen Tag und beobachten dort die Windsurfer, Wellenreiter und Kitesurfer in der heftigen Brandung  (super spannend), gehen dick eingepackt ein bisschen spazieren, können einen Nachmittag tatsächlich in der Sonne am Strand sitzen  und treffen ein paar nette Leute.
Einmal pumpt Torge sogar das Schlauchboot auf, findet dann aber keinen, der mit ihm aufs Wasser will sondern nur Leute, die ihn davor warnen und packt es etwas frustriert wieder ein. Bei 8 Windstärken, starker Unterströmung und ablandigem Wind sicher eine gute Idee. Für Sportler, die Wind und Wellen lieben, ist  Dakhla sicher ein geiler Platz aber bei solchem Sturm kann man sonst eher gar nichts machen. Nachts schaukelt der Wagen so dall, dass man denkt, irgendwo an Bord zu sein.  Wir übernachten vor allem für die Ver- und Entsorgung noch einmal auf dem Campingplatz, kaufen ein und fahren die Lagune ca. 25 km wieder hinauf. Dort verbringen wir noch einen Tag auf einem freien Platz mit ca. 90 anderen Womos und unter der Obhut einer Polizeistation. Aber auch hier sitzen die Leute die meiste Zeit in ihren Wagen und nur die Extremsportler zieht es bei Flut auf das Wasser. Das Wetter soll für hiesige Verhätnisse extrem sein, so man das  für einen Ort mit 360 Tagen Wind im Jahr sagen kann, und soll auch noch eine Woche so bleiben.
Da möchten wir aber nicht drauf warten. Wir haben so viel Zeit im Wagen zusammen verbracht, dass wir schon anfangen uns gegenseitig auf die Nerven zu gehen – trotz ausgiebiger Hörbuchsessions – wir haben den ganzen Artemis Foul durchgehört. ale 7 oder 8 Bände. Also machen wir uns wieder auf den Weg nach Norden. Den Abend und die Nacht verbringen wir hinter einer großen Sanddünde, die wir auch besteigen. Torge und Spike toben happy herum und wir genießen die Einsamkeit. In Laayoune verbringen wir einen Nachmittag im Café und nutzen das Internet. Auf dem Weg aus Laayoune verfahren wir uns kräftig und so scheitert unser Plan, am Salzsee zu übernachten an der Dunkelheit, in der ich die Piste nicht fahren möchte. Wir bleiben nur einige hundert Meter von der Straße entfernt stehen und essen gemütlich Abendbrot. Als ich schon im Bett liege, hören wir, wie ein Wagen vorfährt, uns umrundet und dann wird vorsichtig geklopft. Die Polizei möchte wissen, ob alles ok ist. Die beiden Herren sind sehr freundlich und haben durchaus Verständnis für meine Bedenken, die Piste im Dunkeln zu fahren. Sie kontrollieren unsere Pässe und versichern uns dann, dass wir uns vollkommen sicher fühlen dürfen, da die Patroullie heute Nacht auf uns aufpassen wird. Am nächsten Morgen fahren wir die Piste noch ein Stück weit hinein, bis wir einen schönen, ebenen, sandigen und einsamen Platz gefunden haben, wo wir Boule und Spike ausgiebig Ball spielen und vor allem mal wieder frei laufen kann. Das genießt er sehr und wir solche Plätze auch. Mittags zieht es sich innerhalb von wenigen Minuten zu und fängt an zu tröpfeln. Wir packen zusammen und fahren zurück zur Asphaltstraße. Der Regen wird stärker und bald gießt es in Strömen, Als wir Tarfaya erreichen, stehen dort die Straßen unter Wasser und die Leute schaufeln und schieben das Wasser aus ihren Haustüren, denn viele Dächer sind wohl auch nicht richtig dicht. Wir sitzen eine Weile im Café und gucken dem Treiben zu und checken unsere Mails. Später fahren wir zum Campingplatz „Villa Bens“, der einige km außerhalb liegt. Auf diesem schönen Platz, nur durch die Straße vom Strand getrennt und sehr liebevoll gestaltet, verbringen wir die nächsten 4 Tage. Es stürmt und gewittert 2 Tage ausgiebig und regnet noch mehr. Der Himmel bietet ein wahres Schauspiel. Wenn zwischendurch die Sonne rauskommt, bilden sich wunderschöne und riesig große Regenbögen.

20.2.2016 Regenbogen über dem Campingplatz Villa Bens bei Tarfaya
20.2.2016 Regenbogen über dem Campingplatz Villa Bens bei Tarfaya

Die Wolken sehen jede Minute anders aus und man kann förmlich zusehen, wie die Pflanzen auf dem Campingplatz das Wasser aufsagen und immer grüner werden. Wir stellen fest, dass eines unserer Fenster nicht dicht ist. Das beunruhigt uns aber nicht so, da es ja in wenigen Tagen wieder warm sein soll und wir alles trocknen können, was wir jetzt zum Aufnehmen der Wassermassen verwenden. Unsere schmutzige Wäsche wird sozusagen schon einmal vorgewaschen. Zum Glück gibt es hier auch eine funtionierende Waschmaschine und einen schönen Trockenplatz. Uns tut es beiden gut, mal ein paar Tage angekommen zu sein. Torge packt die Legokiste aus und ich finde wieder Zeit zum Malen. Und wir erfreuen uns an dem schönen Platz und den guten Duschen und Toiletten. Mit den Schränken voll sauberer Wäsche aber kaum noch Vorräten brechen wir am  Montag auf. In Tarfaya kaufen wir ein und fahren dann weiter gen Norden. Nach den kühlen Regentagen ist es in der Sonne jetzt wieder richtig, Mittags sogar fast zu heiß. Die Gegend ist viel grüner als auf dem Hinweg und überall stehen noch Pfützen. Der unbefestigte Randstreifen ist manchmal gefährlich weich und rutschig und wir sehen mehrere LKW, denen das zum Verhängnis geworden ist. Zum Gück keine gefährlichen Unfälle sondern sie sind nur im Matsch steckengeblieben.  Uns ist nach einem einsamen Platz und den finden wir nördlich vom Park Naila an einer kleinen Senke, in der auch Salz gewonnen wird. Hier stehen wir ganz allein und toben barfuß im Lehm. Dort wo Wasser steht, ist es extrem glitschig, so dass Torge sich von Spike auf dem Bauch durch das Wasser ziehen läßt. Ziemlich feucht und noch mehr lehmig kommen wir zurück zum Auto. Wie gut, dass es eine Außendusche gibt, mit der Torge sich abduschen kann. Und der Rest landet- wie sollte es anders sein?-  in MEINEM frisch gewaschenen Handtuch. Abends wandern wir nochmal dorthin, wo die Salzhaufen liegen, trauen uns aber nicht näher heran, da das Gelände abgesperrt zu sein scheint. Jedenfalls ist dort ein Graben gebuddelt, den wir lieber nicht übertreten. Nach dem Abendessen entwischt uns Spike und Torge läuft im Dunkeln umher und sucht ihn. Wir sind nicht so richtig weit weg vonder Straße, wo auch nachts ab und an ein LKW entlangdonnert. Spike kommt bald darauf von allein zurück. Und Torge hat auf der Suche nach ihm am Meer tote Riesenkrebse gefunden, die wir uns am nächsten Morgen noch ansehen, bevor wir uns wieder auf den Weg machen. Wir fahren durch mehrere Oueds, die natürlich jetzt alle deutlich mehr Wasser führer als vor 2 Wochen und einmal sehen wir einen Schwarm Flamingos im seichten Wasser stehen.  Die sandigen Oueds mit dem jetzt saftigen Grün sind wunderschön anzusehen.
In Tan Tan suchen wir uns wieder ein Café, in dem wir jetzt sitzen und mailen. Das Hochladen von weiteren Fotos müssen wir wieder auf später verschieben

Weit, weit ist der Weg nach Dakhla….

Als wir Sidi Ifni verlassen, geht es erstmal wieder gen Osten sehr kurvig durch die Berge bis Guelmin. Dort füllen wir Vorräte auf und tanken und machen uns dann auf den fast geraden Weg nach Süden. Kurz vor dem Wadi des Flusses Dra, den wir ja lange entlang gefahren sind, führt eine Piste zum Ksar Tafindilt, einem zerfallenen Fort und gleichnamigen Hotel mit Campingplatz. Torge liebt Pisten, da er da meist fahren darf und so fahren wir dorthin. Landschaftlich ist das nach der recht langweilen Fahrt auf der Straße herrlich und sowohl das Ksar als auch das Hotel sind sehr schön. Dort übernachten wir und machen sowohl abends als auch am nächsten Morgen nette Spaziergänge. Dann geht es weiter gen Süden. Schon nach 50 km ist ein toller freier Stellplatz, auch an einem Wadi, zu sehen. Es stehen so etwa 10 Womos da. Also Mittagspause, Spike austoben und sogar baden. Der offene Atlantik ist hier viel zu wild aber in der Flussmündung geht es. Torge und Spike schwimmen mit Klamotten bzw. Fell hindurch nur ich muss nach der Hälfte umdrehen und außen herum gehen, da ich Papiere und Geld in der Westentasche habe. Andere Reisende haben von einem Campingplatz am Meer in 80 km Entfernung erzählt. Mit Mühe kann ich Torge überzeugen, noch weiter zu fahren. Das Fahren ist unangenehm, da die Straße nur gerade eben breit genug für 2 LkW ist. Normalerweise ist hier nicht viel Verkehr aber heute kommen uns immer wieder Kolonnen mit Polizei- und Militärbegleitung entgegen. Später erfahren wir, dass der König in der Gegend war. Wir fahren oben an einer Steilküste entlang und sehen zu unserem Erstaunen immer wieder Angler, die von hier oben mit beeindruckend langen Ruten angeln. Einmal sehen wir ein großes, eingezäuntes Loch. Ich mag da nicht rangehen aber Torge steigt aus und macht Fotos. Das Meer hat die Küste von unten durch einen Tunnel  ausgehöhlt, dann ist die Decke eingebrochen. Und die Straße führt manchmal nur 20 m von der Abbruchkante entlang – Brrrr!
Der Nachtplatz liegt bei einer Vogelschutzinsel und war mal als etwas größeres geplant. Es gibt Beobachtungsstationen, Kilometer lange Wege, Sitzbänke, ein Haus in Form einer Spirale und einen Kassierer.
Wir verlassen den Asphalt und die weißen Womos, fahren die Piste weiter durch und bleiben mit etwas Abstand zu 3 Alltadtrucks stehen. Sofort werden wir eingeladen, uns dazu zu stellen und verbringen einen netten Abend mit Leuten aus A, CH und D. Und haben am nächsten Morgen auch Hilfe beim Finden und Beseitigen einer Undichtigkeit in der Dieselleitung. Oben aus dem Rücklauf tropft es stetig raus. Genau genommen schaue ich nur zu, wie Tobi ein neues Stück Schlauch einsetzt. Dann schrauben Torge und ich noch fast eine Stunde am Dachträger. Fast alle Schrauben haben sich los gerüttelt und müssen festgezogen werden bevor es weiter geht. Heute ist nicht so viel Verkehr und das  Fahren entspannter. Wir halten bei einer riesigen Saline, wo das Salz mit großen Baggern und LkW bewegt wird. Ansonsten ist die Landschaft eintönig, gelegentlich unterbrochen von schönen Sanddünen, die manchmal auf die Straße wehen. In Tarfaya sehen wir das Antoine de Saint Exuperie Museum aber es ist geschlossen, wie fast der ganze Ort. Wir laufen einmal über die Promenade auf den Strand und steigen wieder ein. 35 km vor Laayoune folgen wir wieder einem Hinweisschild und einer 5 km Piste zu einem Camp Beduin mit Campingplatz. Der liegt wunderschön an einem Salzsee, hat vernünftige Ausstattung und wir sind die einzigen Gäste. Am nächsten Morgen fahren wir noch ein Stück auf den See hinaus bis es uns zu weich wird und wir lieber schnell wenden.  Dort frühstücken wir erstmal. Spike darf hier frei laufen und nutzt das begeistert aus. Auf dem Rückweg sehen wir uns noch einen großen Wasserfall mit wenig Wasser an und freuen uns sehr, dass wir diesen Abstecher gemacht haben. Beim Verabschieden ist der Patron vom Campingplatz ganz erstaunt, dass wir uns nicht festgefahren haben. Da sind wir ganz schön stolz, so gut aufgepasst zu haben.
Nun geht es wieder auf die Straße, die inzwischen sehr gut und hinter Laayoune sogar kurz vierspurig ist. Laayoune ist eine hübsche und quirlige Stadt mit viel Industrie am Stadtrand. Kurz danach sehen wir das Förderband, das das Phosphatvorkommen hierher transportiert. Dann kommt wieder Kilometer weit NICHTS. Unterbrochen von Windparks in gigantischen Ausmaßen und Strommasten und gelegentlich einem Dorf, das weitgehend unbewohnt scheint und oft wohl auch ist, da die Menschen für die es gebaut wurde, es oft nicht angenommen haben. Alle Orte sind – noch vom Besuch des Königs – beflaggt, geschmückt und sehr sauber und aufgeräumt. Es gibt breite Bürgersteige, Straßenlaternen, Parks, Schulen, Postämter und Polizeistationen und in den Städten Krankenhäuser, Colleges usw. Was immer man über die Saharapolitik des Königs denken mag: Für die Menschen, die hier wohnen, ist die Infrastruktur oft besser als in anderen abgelegenen Teilen des Landes.
Wir schaffen heute stolze 250 km und sind in Boujdour, etwa 350 km vor Dakhla.

Fotos folgen demnnächst!

Westwärts zum Atlantik

Wir verlassen Zagora gerade noch rechtzeitig bevor die angekündigten 140 Teilnehmer der Ralley Intercontinental auf dem Campingplatz aufschlagen, müssen jedoch schon vorsichtig um das bereits aufgebaute Organisatiorenzelt herumrangieren.  Auf einer Ebene, rechts und links begrenzt durch Höhenzüge des Djebel Bani führt die Straße fast geradeaus gen Westen.

27.1.2016 Djebel Bani
27.1.2016 Djebel Bani

Zeitweise fahren wir an ungewohnt großen Feldern vorbei, die z.T. mit Folie abgedeckt sind.

27.1.2016 Mit Folie abgedeckte Gemüsefelder westlich von Zagora
27.1.2016 Mit Folie abgedeckte Gemüsefelder westlich von Zagora

Dann knickt die Straße nach Süden ab und führt durch einen Durchbruch im Djebel Bani. Wir sehen bizarre Fels- und Sandformationen und gigantische Ausspülungen, die auf große Wassermengen in der Vergangenheit schließen lassen. Längs des Wadi sind wieder schönen Palmenhaine. In Foum Zguid finden wir einen hübschen Campingplatz und amüsieren uns über Landsleute, die sich beschweren, dass sich doch tatsächlich andere Wohnmobile neben sie gestellt haben… Wir waren es nicht!

27.1.2016 Idyllischer Campingplatz in Foum Zguid
27.1.2016 Idyllischer Campingplatz in Foum Zguid

Am nächsten Tag geht es weiter westwärts und die Straße führt zu Torges Begeisterung  durch eine richtige Furt.

28.1.2016 Furt zwischen Foum Zguid und Tissint
28.1.2016 Furt zwischen Foum Zguid und Tissint

Weiter geht es zum Wasserfall von Tissint und wir sind erfreut, mal wieder richtig fließendes Wasser zu sehen, wenn es auch nicht viel ist.

28.1.2016 Wasserfälle von Tissint
28.1.2016 Wasserfälle von Tissint

Die Fälle und die Staubecken dahinter sind schön anzusehen, auch wenn sie etwas verbaut wurden.

28.1.2016 Aufgestautes Wasser hinter den Fällen von Tissint
28.1.2016 Aufgestautes Wasser hinter den Fällen von Tissint

Am späten Nachmittag erreichen wir das Oasenstädtchen Tata und finden gerade noch vor Dunkelwerden einen Platz auf dem Camping Municipal direkt in der Stadt. Dort stehen wir zwischen 37 französischen und einem holländischen Wohnmobil auf einer Betonfläche dicht an dicht. Direkt nach uns wird das eiserne Tor geschlossen und die französische Community lebt, wie sie es aus Frankreich kennt. Wir kommen uns etwas deplaziert vor aber für eine Nacht wird es schon gehen. Immerhin bietet die Betonfläche Gelegenheit mal gründlich sauber zu machen und uns von dem Stück Auslegware zu trennen, das uns als Bodenbelag diente und inzwischen nicht mehr annähernd sauber zu bekommem ist. In Tata gibt es alles und so holen wir Geld,  füllen unsere Vorräte auf und schicken Post ab bevor es weiter gen Meer geht.

29.1.2016 Landschaft nördlich von Tata am Oued Tata
29.1.2016 Landschaft nördlich von Tata am Oued Tata

Nach einem Schlenker nach Norden, der uns wunderschöne Aussichten beschert, finden wir die richtige Straße nach Südwesten. Die Landschaft wird flach, nur gelegentlich unterbrochen von schrägen Felsriegeln. Zwischen solchen machen wir in völligerEinsamkeit ein Päuschen und spielen mit Spike. Dann geht es noch ein Stück weiter nach Oum-el-Alek. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz folgen wir einem Hinweisschild, fahren eine anspruchsvolle Piste und dann einen Schlenker durch das Dorf und sind wieder an der Hauptstraße auf der wir hergekommen sind. Wir bemerken einen riesigen, leeren und geschlossen wirkenden Camping Municipal, den wir vorhin übersehen haben. Auf Nachfrage wird das Tor für uns geöffnet und wir fahren auf den Platz, der Raum für mindestens 200 Wohnmobile bieten würde. Ein kleines steht schon da… Wir sehen über den Zustand der Sanitäranlagen hinweg und freuen uns über die geschlossene Mauer außenrum und den vielen Platz, da wir so nochmal mit Spike spielen können.

Unsere Karte zeigt in ca. 10 km Entfernung Felsgravuren und Rollos GPS findet in 5,6 km Entfernung ebenfalls welche. So machen wir uns am nächsten Morgen auf den Weg und folgen dem GPS über die Asphaltstraße auf eine Piste.  Als es uns in einen kleinen Weg schicken will, parke ich lieber und wir gehen zu Fuß weiter.

30.1.2016 Auf zu den Felsgravueren - dachten wir jedenfalls
30.1.2016 Auf zu den Felsgravueren – dachten wir jedenfalls

Noch 900 m, noch 500 m, wir stehen in einer Sraßenbaustelle, noch 240 m, gleich sind wir da. Vorsichtig gucken wir über eine Mauer in einen privaten Hof. Kein Felsen zu sehen aber das GPS behauptet steif und fest, hier seien wir richtig. Ein junger Mann spricht uns an und erklärt, dass wir noch 4-5 km einfach der Piste folgen müssten, Richtung Berge, dann seien wir bei den Gravuren. Berge, das leuchtet ein für Felsgravuren. Wir gehen also zurück zum Auto und folgen der Piste, die sich bereits nach 300 m das erste Mal und auf den folgenden 5 km noch so etwa 25 Mal verzweigt. Ich fahre auf einen der vielen Berge zu und halb um ihn herum.

30.1.2016 Auf der Suche nach den Felsgravuren hinter Oum-el-Alek
30.1.2016 Auf der Suche nach den Felsgravuren hinter Oum-el-Alek

Hier ist es wunderschön. Ein Wadi, kontrastreiche, fast schwarze Felsriegel, steiniger und z.T. sandiger Boden, etwas grüner Bewuchs und einige schattenspendende Bäume. Bei so einem halten wir und verbringen die Mittagszeit im Schatten mit Spielen, Briefe schreiben und Lesen. Ich suche nochmal alle Informationen in meinem uralten Reiseführer zusammen aber es wäre pures Glück die Gravuren zu finden. Torge meint, dass wir uns heute und morgen Zeit nehmen, die Gravuren zu suchen, dann aber weiterfahren sollten. Ich registriere plötzlich, was für ein Luxus das ist, in solchen zeitlichen Dimensionen denken zu dürfen.

SONY DSC
SONY DSC

Als die Sonne nicht mehr ganz so hoch steht, machen wir einen Spaziergang durch das  Wadi und zu den Felsen bis wir unser Auto nicht mehr sehen können. Torge wird auf einmal unruhig. Ob es daran liegt oder an meiner Bemerkung, wieviele Menschen in der Wüste in plötzlich wasserführenden Wadis ertrinken, weiß ich nicht. Jedenfalls möchte er nicht weitergehen, zurück zum Auto und auch nicht mehr hierbleiben.

30.1.2016 Piste hinter Oum-el-Alak
30.1.2016 Piste hinter Oum-el-Alak

So machen wir uns wieder auf den Weg und erreichen am späten Nachmittag das Örtchen Icht, wo wir auf einem netten Campingplatz stehen bleiben. Leider reißt sich noch am selben Abend Spike von der Leine los – der Karabiner ist einfach gebrochen – und macht Jagd auf eine Ziegenherde, die vor dem Platz vorbeizog. Bevor Torge ihn einfangen kann, hat der die Tiere in alle Richtungen vertrieben und einen Bock gebissen. Als ich dazukomme, ist die Ziegenhirtin mit den restlichen Tieren verschwunden. Dafür stehen nun diverse Frauen und Kinder da und diskutieren. Mit Hilfe des Patron vom Zeltplatz finde ich heraus, dass das Tier noch lebt und heute gar nichts darüber gesagt werden kann, wie es weitergeht. Morgen sollen wir nochmal miteinander reden.  Zurück am Auto tröste ich Torge, dem das verletzte Tier sehr leid tut. Am nächsten Abend kommt der Sohn der Besitzerin und erzählt, dass der Bock geschlachtet werden muss und bei der Jagd ein weiteres Tier verloren gegangen ist. Ich zahle umgerechnet 40 Euro für die beiden Tiere und bin froh, dass sich das so unkompliziert regeln läßt. Spike machen wir inzwischen  nur noch mit dem Stahlseil und großen Karabinern fest.

Am nächsten Morgen wollen wir endlich ans Meer und fahren weiter nach Westen bis  Bou-Izakkarn und dann nördlich über den Tizi-Mighrt bis Tiznit. Dort tanken wir, kaufen ein und bewundern kurz die gut erhaltene Stadtmauer. Dann geht es nach Aglou  Plage am Atlantik. Der erste Blick auf das Meer ist umwerfend. Wir fahren einmal durch den Ort, sehen die eng stehenden weißen Womos auf dem Campingplatz und unten an der Promenade und fahren dann noch ein kleines Stück weiter bis zum Camping…

1.-3.2.2016 Unser netter, einfacher, kleiner und preiswerter Campingplatz
1.-3.2.2016 Unser netter, einfacher, kleiner und preiswerter Campingplatz

Die Ein- und Ausfahrt ist allerdings für kleinere Fahrzeuge, als unseres gedacht. Routiniert räumt der Besitzer schnell die nur aufgestapelten Steine beiseite, so dass eine Lücke in der Mauer entsteht, durch die wir rein- und später wieder rausfahren können.

3.2.2016 "Unsere" Ein- und Ausfahrt
3.2.2016 „Unsere“ Ein- und Ausfahrt

Die Felsen und das Meer begeistern uns, auch wenn es viel zu wild zum Baden ist. Ungewohnt ist für uns auch die hohe Luftfeuchtigkeit.

3.2.2016 Atlantik bei Aglou Plage
3.2.2016 Atlantik bei Aglou Plage

Es ist geradezu diesig hier. Die vergangenen 6 Wochen hatten wir immer strahlend blauen Himmel.

2.2.2016 Felsen und Gischt
2.2.2016 Felsen und Gischt
2.2.2016 Der Atlantik brandet an die Felsen bei Aglou Plage
2.2.2016 Der Atlantik brandet an die Felsen bei Aglou Plage
2.2.2016 Torge klettert gern auf den Felsen herum
2.2.2016 Torge klettert gern auf den Felsen herum

Nach 2 Tagen fahren wir weiter Richtung Süden, machen eine kurze Pause in Sidi-Mohamed-ou-Abdallah, wo Torge den Felsen besteigt und wir die natürlichen Brücken bewundern. In dieser geschützten Bucht sehen wir zum ersten Mal auch Badende.

3.2.2016 Torge steigt auf den Felsen der Badebucht in Sidi-Mohamed-ou-Abdallah
3.2.2016 Torge steigt auf den Felsen der Badebucht in Sidi-Mohamed-ou-Abdallah

Entlang der beeindurckenden Küste und vorbei an mehreren voll belegten Campingplätzen finden wir In Sidi Ifni direkt am Strand einen nicht ganz so vollen Platz für einige Tage.

3.2.2016 Campingplatz in Sidi Ifni, rechts die Felswand, linkds das Meer, dazwischen Platz für 3 Reihen Wohnmobile
3.2.2016 Campingplatz in Sidi Ifni, rechts die Felswand, linkds das Meer, dazwischen Platz für 3 Reihen Wohnmobile

Das Rauschen des Meeeres ist beeindruckend laut, Da wir direkt unten an einer Felswand stehen, hören wir es von beiden Seiten. Sidi Ifni selbst ist von den Portugiesen begründet worden und mit seinen weiß-blauen Häusern, einem Park und vielen Terassen an der steilen Küste recht hübsch. Vor einigen Jahren haben starke Regenfälle hier verheerenden Schaden angerichtet, was an vielen Stellen noch zu sehen ist. Überall wird noch ausgebessert und wieder aufgebaut. Der Strand ist an sich schön aber wie so oft, schockiert uns die Menge an Plastikmüll, der sich überall sammelt.

Auf dem Platz genießen wir einige Tage die gute Ausstattung mit Strom, Internet, heißen Duschen und einer Waschmaschine. Wir chatten und skypen endlich mal wieder mit zuhause und ich komme dazu einigen Bürokram zu regeln und diesen blog zu aktualisieren.

Eine weitere Attraktion ist der arme Vogel Strauß, der in einem großen Gehege an der Felswand gehalten wird.

4.2.2016 Strauß auf dem Campingplatz in Sidi Ifni
4.2.2016 Strauß auf dem Campingplatz in Sidi Ifni

 

 

 

Wüste und Himmel

Nachdem wir am Erg Chebbi noch einige Tage auf dem Campingplatz gechillt, in Merzouga Bremsflüssigkeit besorgt und unseren Fahrradträger haben reparieren lassen, starten wir recht früh morgens.

14.1.2016 In einer "Garage general" werden in die Aluschiene unseres Fahrradträgers mangels Bohrmaschine Löcher gebrezelt...
14.1.2016 In einer „Garage general“ werden in die Aluschiene unseres Fahrradträgers mangels Bohrmaschine Löcher gebrezelt…

Über Rissani geht es gen Westen durch eine steinige Landschaft und an einigen Felsriegeln vorbei. Wir machen eine Frühstückspause und bekommen per Fahrrad Besuch von einem älteren Herrn, der gern einen Tee annimmt und ausgiebig den schön glatten Kunststoffbecher bewundert. Aber hauptsächlich möchte er uns natürlich einige Fossilien zeigen und noch lieber verkaufen. Er schenkt Torge 2 kleine Stücke und wir interessieren uns für 2 weitere. Nach einem Missverständnis, da er den Preis in Euro nennt und dann zähen Verhandlungen erstehen wir die beiden Teile. Er erzählt, dass er Kinder liebt und selbst 10 Stück hat von denen 2 gestorben sind. Unsere Betroffenheit tut er lächelnd ab: Acht leben doch noch. Sehr zufrieden verabschieden wir uns voneinander und fahren weiter.

15.1.2016 Landschaft zwischen Rissani und Mcessi
15.1.2016 Landschaft zwischen Rissani und Mcessi

Wenige Kilometer weiter ändert sich die Landschaft und ist nun fast Savannenartig. Gelbliche trockene Sträucher bedecken den Boden, vereinzelt stehen Bäume und nach Norden begrenzen Berge die Ebene. Hier machen wir über die Mittagshitze im Schatten eines Baumes Halt.

15.1.2016 Mittagspause
15.1.2016 Mittagspause

Später steige ich mit Spike ein Stück den Hügel hinauf aber die Steine sind so spitz, dass es für uns beide sehr unangenehm zu gehen ist. In Mcissi, einem kleinen Straßendorf mit großem Neubaugebiet folgen wir dem Schild zu einem Campingplatz. Der Patron ist gerade nicht da aber wir werden freundlich eingewiesen. Später kommt der Patron und ist so erfreut, mit uns Deutsch sprechen zu können, dass er uns zum Abendessen einläd. So sitzen wir abends mit ihm und einem Bekannten am Tisch, essen leckere Tajine und gucken alle wie gebannt auf den großen Fernseher, wo – arabisch synchronisiert – eine mexikanische Soap mit vielen vollbusigen und knapp bekleideten Damen läuft. Die Frau und Tochter des Patron essen nicht mit uns und wenn wir sie treffen, sind sie auch sehr traditionell mit Kopftuch und in lang bekleidet.
Am nächsten Tag folgen wir der Straße weiter Richtung Dratal. Unsere Karte zeigt Felsmalereien an einer Piste, die links von der Straße abgehen und gleichzeitig den Weg nach Zagora abkürzen soll. Wir finden in einer Baustelle auch eine Piste und folgen ihr. Zunächst geht es durch Palmengärten, dann über der Hof einer Moschee und an einer Mauer entlang um das Dorf herum. Hier ist die Schule und 4 Jungs stehen am Straßenrand und wollen mitfahren. Torge rutscht nach hinten und die vier steigen kichernd ein. Sie können auf französisch ihre Namen und ihr Alter nennen und mitten in der schönsten Unterhaltung – bei Gehoppel über die Piste – überholt uns ein voll beladener Schulbus, die Jungs winken und dann bremst uns der Schulbus aus. Die Vier wollen aussteigen, bedanken sich artig und quetschen sich noch in den Bus. Der Fahrer winkt uns ebenfalls ein Dankeschön zu und rauscht davon. So schnell sind wir nicht, denn es schaukelt ganz schön. Nach 4 km wollen meine beiden Mitfahrer eine Pause. Wir lassen Spike raus, aber der kann hier überhaupt nicht laufen, denn der Boden ist mit stacheligen Kletten übersät, die ihm überall unter den Pfoten hängen. Torge puhlt fast eine Viertelstunde bis Spike wieder laufen kann. Tja, 4 von 78 km … ich rechne kurz hoch, wie lange wir unterwegs sein würden und entscheide mich zum Umdrehen.
Wir erreichen das schöne Dratal in der warmen Nachmittagssonne und fahren an Palmenhainen entlang Richtung Süden.

17.1.2016 Blick auf den Fluß Dra in Zagora
17.1.2016 Blick auf den Fluß Dra in Zagora

Rechts und links sind immer wieder schöne alte Speicherburgen zu sehen und die meisten Neubauten sind ebenfalls im alten Stil gehalten. Lehmbauten und das Grün der Palmen sind einfach wunderschön.

17.1.2016 Das Dratal in der Abendsonne
17.1.2016 Das Dratal in der Abendsonne

Zu recht wird dieses Tal oft als das schönste in ganz Marokko bezeichnet. Mit dem letzten Licht erreichen wir Zagora, wimmeln einige sehr aufdringliche junge Männer ab, die die allerbesten Campingplätze und die beste aller Werkstätten zum Abschmieren kennen und fahren, einer Empfehlung folgend, an das südliche Ende Zagoras auf den Camping Oasis Palmier, der wirklich sehr schön ist. Vor unserem Auto wird ein Teppich ausgebreitet und ein Tischchen mit Tischdecke aufgestellt und der Tee folgt sofort. Hier verbringen wir einige Tage mit Spaziergängen und kleinen Ausflügen per Fahrrad in den Palmenhainen und am aber nicht auf den Djebel Zagora.

20.1.2016 Felder unter den Palmen in Zagora
20.1.2016 Felder unter den Palmen in Zagora
19.1.2016 In den Palmengärten Zagoras
19.1.2016 In den Palmengärten Zagoras

Vielen Dank an das nette Rentnerpaar Goldi und Heinz, die uns zum Mittagessen einladen und all ihre Reiseführer zu lesen geben. Nach ein paar Tagen nimmt die Dichte an französischen Wohnmobilen und auch das Durchschnittsalter der Bewohner rapide zu und wir verabschieden uns gen Süden. Unser nächstes Ziel liegt nur 25 km südlich. Im Hotel Saharasky gibt es ein Observatorium und wir verbringen den Abend mit einem guten Abendessen im Hotel und anschließend faszinierenden Blicken durch die Teleskope auf den Mond, einen Sternennebel und den Jupiter begleitet von unterhaltsamen Erklärungen des Hotelastronomen.

21.1.2016 Teleskop auf der Dachterasse des Saharasky Hotels
21.1.2016 Teleskop auf der Dachterasse des Saharasky Hotels

Die „richtigen“ Astronomen treffen wir nicht auf der Dachterasse, da der hell scheinende Mond erst gegen 4 Uhr untergehen wird. Sie werdem dann erst kommen. Wir finden den Mond allerdings prächtig!

20.1.2016 Fast Vollmond durch ein Teleskop betrachtet und einfach mmit dem Handy abfotografiert
20.1.2016 Fast Vollmond durch ein Teleskop betrachtet und einfach mmit dem Handy abfotografiert

Am nächsten Morgen spaziere ich früh im schönsten Licht um das Hotel und fotografiere.

21.1.2016 Das Hotel im Morgenlicht
21.1.2016 Das Hotel im Morgenlicht
21.1.2016 Schöne alte Mauer aus Stampflehm, die um das Hotel herumführt
21.1.2016 Schöne alte Mauer aus Stampflehm, die um das Hotel herumführt
21.1.2015 Das Saharasky Hotel ist auch von innen sehr schön
21.1.2015 Das Saharasky Hotel ist auch von innen sehr schön

Nach dem leckeren Frühstück beobachten wir noch die Sonne durch ein Spezialteleskop und bewundern ältere Fotos von Sonnenwinden auf dem Laptop.

21.1.2016 Sonneneobachtung mit dem Sonnenteleskop
21.1.2016 Sonneneobachtung mit dem Sonnenteleskop

Dann fahren wir noch ein paar km zurück in das Örtchen Tamegrout und besuchen die Bibliothek einer Bruderschaft. Hier werden 4000 Bücher aufbewahrt, die bis zu 900 Jahre alt sind. Der Bibleothekar, ein alter Herr im Rollstuhl, führt uns durch die kleine Ausstellung und kann jeweils auf Deutsch benennen, was wir da vor uns sehen. In einer winzigen Handschrift auf Ziegenleder geschrieben und oft wunderschön koloriert und mit Ornamenten versehen, liegen hier der Koran, einige Auslegungen, diverse Lexika, Wörterbücher und Lehrbücher von Astronomie bis Pflanzenkunde. Ein wahrer Schatz. Der Bibliothekar beantwortet unsere Fragen und rezitiert dann eine Seite aus dem Koran, als wir ihn darum bitten. Die Ausstellung kostet keinen Eintritt aber ich weiß aus dem Reiseführer, dass um eine Spende gebeten wird. Die gebe ich diesmal wirklich gern.

21.1.2016 Das wunderschön dekorierte Eingangstor zum Heiligtum der Bruderschaft in Tamegrout
21.1.2016 Das wunderschön dekorierte Eingangstor zum Heiligtum der Bruderschaft in Tamegrout

Ein junger Mann führt uns noch in den Hof der Bruderschaft und zeigt uns ein wunderschönes Tor hinter dem 7 heilige Männer und eine Frau begraben liegen sollen. Es ist hier ein wunderschöner Gesang zu hören und ich vermute zunächst ein Tonband, doch in den Arkaden sitzt ein Mann auf dem Fußboden und singt. In der Bruderschaft lernen und studieren heute noch 180 Männer aus ganz Marokko.
Beim Rausgehen bummeln Torge und ich an den Souvenierständen vorbei und kaufen für ihn noch einen Chech und füllen außerdem unsere Vorräte an Gemüse, Milch, Brot etc. auf.

21.1.2016 Kennt ihr den?
21.1.2016 Kennt ihr den?

Dann machen wir uns auf den Weg nach Mhamid. Der Patron vom Saharasky Hotel hatte uns erzählt, dass es sich um einen Ort der Verbannten handelt, in den kleine Straftäter anstatt in das Gefängnis geschickt werden. Das möchte Torge natürlich sehen. Wir queren 2 kleine Passhöhen des Djebel Bani und verlassen dabei jeweils kurz den Lauf des Dra an den die Straße aber jeweils wieder zurück führt. Beim hübschen Dorf Ouled Driss sind wieder Sanddünen zu sehen, die manchmal schon die Palmengärten bedeckt haben. Mhamid ist zunächst nicht besonders hübsch. Wir finden beim Campingplatz La Boussole einen Stellplatz auf einem Hügel hinter dem Dorf mit dem Blick in die Wüste.

22.1.2016 Camping Boussole hinter M#hamid mit fantastischem Ausblick
22.1.2016 Camping Boussole hinter M#hamid mit fantastischem Ausblick

Hier startet die Piste nach Foum Zguid, die ich aber nicht alleine fahren möchte. Wir bleiben hier 2 Tage stehen und hoffen, dass vielleicht jemand vorbeikommt, dem wir uns anschließen können. Der Blick in die Ferne ist wunderschön, links der Palmenhain des Dra, davor Dünen, rechts zunächst auch Dünen und dann die Bergkette des Djebel Bani. Einige Stunden sitze ich da und male und zeichne und genieße es, die Zeit dafür zu haben. Wir machen einige Spaziergänge in die Dünen und ins Dorf. Am 2. Tag fährt ein PKW mit 2 Tschechen vor, die unser Auto bewundern und mit denen wir im Café des Campingplatzes zu Mittag ein Omlette essen wollen. Mit Gästen hat der Patron aber irgendwie nicht gerechnet. So bekommen die beiden Tschechen das Mittagessen, das für den Patron und seinen Bruder, den Guide gedacht war und für uns holen sie schnell nochmal Eier aus dem Dorf. Die beiden Tschechen haben nur 7 Tage für Marokko und wollen schnell weiter, um mit dem Guide eine Tour zu den Dünen zu machen. Während wir noch auf das Omlette warten, fahren 3 LKW mit 8 Personnen vor und ordern Tee. Jetzt hat der Patron noch ein Problem, denn seit heute Nacht gibt es keinen Strom und damit läuft die Pumpe nicht und er hat kein Wasser mehr. Ob wir vielleicht im LKW…? Torge läuft schnell los und holt einen 5 l Kanister Trinkwasser für ihn, damit er diese große Bestellung erledigen kann.
Wir bekommen mit, dass die Franzosen mit ihren LKW in die Wüste wollen und fragen, ob wir uns anschließen dürfen. Das dürfen wir und so packen wir schnell alles zusammen. Dann folgen wir dem Konvoi auf einer wunderschönen Tour durch die Palmerie von Mhamid und dann zurück zur Piste. 2 Jungs auf dem Moped folgen uns beständig und beraten die LKW-Fahrer. Nach etwa 3 km stehen wir wunderschön bei einigen Hütten und einem Brunnen.

24.1.2016 Wüstencamp mit einer Gruppe netter Franzosen
24.1.2016 Wüstencamp mit einer Gruppe netter Franzosen

Torge packt das Wikingerschach aus und findet sofort einige Mitspieler. Kleine Snacks werden herumgereicht, es wird nett geklönt und die anderen Wagen angeschaut. Spike genießt das Herumtoben mit den 4 anderen Hündinnen sehr und der Sonnenuntergang sowie der Mond sind fantastisch.

23.1.2016 Der Abendhimmel vor Mhamid zaubert ein Feuerwerk aus Farben
23.1.2016 Der Abendhimmel vor Mhamid zaubert ein Feuerwerk aus Farben

Am nächsten Morgen steht eine Herde Kamele zwischen den Wagen und wandert langsam Richtung Palmenhain. Wir nutzen den Tag und fahren tanken und einkaufen. Torge hat abseits der Straße endlich mal Gelegenheit selbst zu fahren. Abends ist nochmal eine Runde Wikingerschach, diesmal mit einigen Marokkanern, angesagt und später machen sie alle gemeinsam Musik.

24.1.2016 Wikingerschach kurz vor der algerischen Grenze mit internationalen Teams
24.1.2016 Wikingerschach kurz vor der algerischen Grenze mit internationalen Teams

Es kristallisiert sich heraus, dass die Piste für die LKW ohne Allrad nicht weiter zu befahren ist und sie umkehren werden. Torge und ich beschließen, am nächsten Morgen dann selbst und allein noch ein Stück hinein zu fahren.

25.1.2016 jPiste bei Mhamid
25.1.2016 jPiste bei Mhamid

Torge ist happy, weil er hier endlich auch mal fahren darf. Mit einem dicken Kissen im Rücken und mit Allrad schaffen er und der Magirus das locker.

25.1.2016 Piste bei Mhamid
25.1.2016 Piste bei Mhamid
25.1.2016 Unsere Spuren im Sand...
25.1.2016 Unsere Spuren im Sand…
25.1.2016 Sand!
25.1.2016 Sand!

Das Fahren im Sand macht uns beiden viel Spaß und wir finden einen wunderschönen Platz zwischen den Dünen.

25.1.2016 Übernachtungsplatz in den Düne bei Mhamid
25.1.2016 Übernachtungsplatz in den Düne bei Mhamid

Ganz allein stehen wir hier und Spike kann nach Herzenslust in den Dünen herumtoben.

25.1.2016 Spike gennießt das Rennen, Springen und Buddeln in den Dünen sehr
25.1.2016 Spike gennießt das Rennen, Springen und Buddeln in den Dünen sehr
25.1.2016 Auch Torge liebt das Toben im Sand
25.1.2016 Auch Torge liebt das Toben im Sand

Wir lesen, spielen und sammeln flache Steine und verzieren sie mit Mosaiken.

25.1.2016 Mosaiken sehen wir hier überall - heute wagen wir uns selbst mal daran
25.1.2016 Mosaiken sehen wir hier überall – heute wagen wir uns selbst mal daran

Abends begucken wir den fast ganz runden Mond und morgens trinken wir den ersten Kakao in meinem Bett mit Blick in die Dünen – was geht uns das gut?!
Dann aber haben wir genug von dem vielen Sand, der nun wirklich ÜBERALL ist. Wir machen uns wieder auf den Weg nach Norden und sind nachmittags wieder am schönen Campingplatz La Palmerie in Zagora. Für eine Nacht haben sie Platz, denn für morgen wird eine Ralleygruppe erwartet. Na das passt doch! Jetzt freue ich mich auf die heiße Dusche!

Spikes Tagebuch vom 13.1.16

Hallo
Ich war vor einigen Tagen in Fés, da haben wir ganz viel angeguckt!
Die Menschen, die hier leben, machen sehr viel mit MOSAIKEN.

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Also, wer ist nun schöner? Dieser komische Fußboder oder ich? Wenigstens war es schön kühl dort!

Die anderen sagen, das ist schön.
Na ja, ich bin kein Kunstliebhaber… Insofern.
Wir waren in einer Mosaikwerkstatt in einem Innenhof
und von oben auf den Terrassen haben mich fremde Hunde angebellt.
Was sie gesagt haben, kann ich nicht sagen, ich spreche ja nicht ihre Sprache. Aber ich war lieber als erster wieder im Auto…
Torge hat von Max ein Spiel bekommen, das spielt er fast nur noch.
Er spielt genauso gern mit mir.
Nur ausgehen mag er nicht mehr, mit mir,
weil ich ihm neulich 2 Mal die Leine aus der Hand gerissen habe und er sich weh getan hat.
Das Problem war, dass ich dachte, er spielt mit mir Katzen fangen!

Momentan sind wir bei ganz vielen Dünen und Sand (Erg Chebbi).
Wir haben neulich zu dritt in Torges kleinem Zelt geschlafen.

Ich mein', man sieht doch schon, dass das nicht für 3 Personen passt!
Ich mein‘, man sieht doch schon, dass das nicht für 3 Personen passt!

Das war gerade groß genug für mich alleine.
Aber die anderen beiden wollten auch nicht draußen schlafen und haben mich dauernd von der Matte geschubst.
Am nächsten Tag wollten Jutta und Torge auf zwei großen Viechern reiten. Aber ich fand das unmöglich, dass sie so weit oben sitzen und viel größer sind als ich.
Da habe ich kräftig gebellt.
Bis einer wieder zu mir runter kam.

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So fand‘ ich das viiieeel besser, als wenn beide da hoch oben sitzen!

Später habe ich mich dann daran gewöhnt, dass sie so weit oben sitzen, denn ich durfte stundenlang alleine laufen und die Krähen jagen.
Auch wenn ich keinen Erfolg hatte, hat das Spaß gemacht.

Manchmal war ich so kaputt, dass ich mich nur noch von Schatten zu Schatten bewegt habe.

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Die Mittagspause im Berberzelt war lustig. Immer, wenn ich mich bewegt habe, wurden alle ganz aufgeregt. Dabei konnte ich gar nichts dafür, dass der Tisch so wackelig war. Gemeinerweise musste ich später draußen vor dem Zelt liegen.

 

Die Mittagssonne ist ganz schön heiß. Da geh ich lieber in den Schatten
Die Mittagssonne ist ganz schön heiß. Da geh ich lieber in den Schatten

Dann haben wir in einem großen Zelt geschlafen,
die Menschen nannten es Berbercamp und da waren noch viele andere Leute,die mich gestreichelt haben.
Dummerweise hat mich Jutta ganz fest angebunden,
so dass ich nicht mit den vielen Katzen spielen konnte.
Auf dem Rückweg waren da viel mehr große Viecher.
Ich weiß jetzt, dass es Kamele sind
Aber 15 in einer Reihe mochte ich gar nicht leiden.
Und Torge war auch nicht da,
sondern ist schon wieder auf die höchste Düne geklettert
und hat mich nicht mitgenommen.
Das hinterste Kamel habe ich mal ins Bein gezwickt
und dann hat es nach mir getreten.
Da wurden alle ganz aufgeregt und
Jutta ist wieder abgestiegen und mit mir den ganzen
Weg zu Fuß zurück gegangen – herrlich!

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Hier sind wir zurück am Zeltplatz bei meiner Lieblings-Pinkel-Pflanze. Viel Auswahl gibt es ja nicht, aber die hier ist echt ok.

 

 

 

Bei den Sanddünen des Erg Chebbi

In Midelt brechen wir früh auf und fahren direkt Richtung Süden. Die Straße ist gut, die Ausblicke sind fantastisch, besonders als wir den Fluss Ziz erreichen, an dem die Straße lange entlang führt. Wir fahren durch tiefe Schluchten und an Palmenhainen entlang bis wir Erachidia erreichen. Dort kaufen wir ein, tanken und fahren dann weiter zu den blauen Quellen von Meski. Hier bin ich 1989 und 2008 mit Rollo bzw. mit Familie Suhk schon gewesen und die Oase und der Platz haben sich kaum verändert.

5. - 8.1.16 Stellplatz unter Palmen in Meski
5. – 8.1.16 Stellplatz unter Palmen in Meski

Die. „Depot Berber“ haben noch das gleiche Angebot und wie damals werden wir auf einen Tee eingeladen. Wir treffen Momo, der nie eine Schule besucht hat, diverse Sprachen und auch Deutsch ausgesprochen gut spricht und auch die Mentalitäten seiner Gäste gut kennt.

8.1.16 Momo und Torge
8.1.16 Momo und Torge

Wir werden morgens mit frischen Brot versorgt, bekommen immer wieder Tee zum Womo gebracht und alle schnacken uns freundlich an, ohne ständig etwas verkaufen zu wollen. Die meiste Zeit gibt es wenig andere Gäste und die Männer spielen stundenlang Boule, manchmal auch mit Torge und mir.

7.1.16 Felder bei den blauen Quellen von Meski
7.1.16 Felder bei den blauen Quellen von Meski

Wir unternehmen ausgedehnte Spaziergänge durch den Palmenhain und zum zerfallenen Ksar, machen Fotos und erfreuen uns an der angenehmen Temperatur unter den Palmen.

8.1.16 Das alte Ksar in Meski
8.1.16 Das alte Ksar in Meski

Torge fährt oft auch mit dem Rad und erkundet die Umgebung.

7.1.16 Mit dem Rad über eine Brücke aus Palmenstämmen
7.1.16 Mit dem Rad über eine Brücke aus Palmenstämmen

Oben in dem kleinen Dorf kaufen wir Gemüse und von einem Restaurant genießen wir den tollen Blick auf die andere Seite bei einer kühlen Cola. Wir werden von Momo zum Tajine-essen eingeladen und erstehen einen schönen Berberdolch. Nach 3 Tagen brechen wir auf, jetzt wollen wir zu den Sanddünen. Auf dem Weg besuchen wir einen Geysir, an dem Torge unfreiwillig duscht.

8.1.16 Geysir vor Erfout
8.1.16 Geysir vor Erfout
8.1.16 Torge fast ganz nass
8.1.16 Torge fast ganz nass

Ein letzter Stopp in Erfoud, wo wir Geld holen, nochmal in einem Hotel das Internet nutzen und einkaufen, dann durch das wunderschöne Tor von Rissani auf zum Erg Chebbi.

8.1.16 Das Tor von Rissani
8.1.16 Das Tor von Rissani

Als wir die Dünen sehen können, verlassen wir die Asphaltstraße und folgen einer Piste gen Osten. Hier hat sich viel verändert, denn Straße und Pisten sind von Hinweisschildern auf Campingplätze und Hotels, auf Quad-Verleih und Camel-Trecking gesäumt- Dennoch finden wir einen Platz direkt an den Dünen, wo wir uns prompt festfahren, da ich statt auf den Boden auf Torge gucke.

8.1.16 Erste Buddelei
8.1.16 Erste Buddelei

Wir bieten den sogleich auftauchenden Besuchern das volle Programm, laden Sandbleche ab und die Schaufel aus, Torge buddelt und ich fotografiere, während ich gleichzeitig den Zuschauern versichere, wir würden nur „spielen“ und mehrere Visitenkarten für tolle und einzigartige Campingplätze entgegennehme. Torges Aktivitäten sind von Erfolg gekrönt und ich kann das blaue Auto auf festen Boden zurücksetzen. Beeindruckt erzählt Torge mir hinterher wie doll sich die Bleche bewegt hätten. Ich hatte ihn mit Spike und der Kamera auf die Düne beordert, damit keiner von beiden etwas abbekommt. Der Platz ist wunderschön und wir bleiben über Nacht h.ier stehen. Während ich uns ein Abendessen koche, toben Kind und Hund glücklich und ausgelassen durch den Sand.

8./9.1.16 Nachtplatz am Erg Chebbi
8./9.1.16 Nachtplatz am Erg Chebbi
8.1.16 Der beste Spiel- und Sportplatz der Welt
8.1.16 Der beste Spiel- und Sportplatz der Welt

Später gucken wir den unglaublichen Sternenhimmel an.
Am nächsten Morgen kommt einer der gestrigen Zuschauer zurück und möchte uns Versteinerungen etc. verkaufen. Er ist mit dem Fahrrad unterwegs und zaubert ein nettes kleines Sortiment aus seinem Rücksack. Die Sachen sind sehr schön und uns interessiert, wie sie bearbeitet werden. So verabreden wir uns für den Nachmittag, um die Werkstatt zu besuchen. Die Werkstatt besteht aus einer fest montierten Trennscheibe, einer Schleifscheibe und einem Plastikhocker.

9.1.16 Beeindruckender Felsblock mit Fossilien in einer kleinen Werkstatt in Hassi
9.1.16 Beeindruckender Felsblock mit Fossilien in einer kleinen Werkstatt in Hassi

Wir sehen die im Gebirge gesammelten und ausgegrabenen Fossilien im Urzustand, dann zeigt uns der Handwerker, wie er sie aufschneidet, schleift, poliert etc. Zum Schluss führt er uns in einen kleinen Ausstellungsraum, wo wir außer seinen Produkten auch Fotos von den Fundstellen sehen.
Wir erstehen bei ihm und später bei unserem Führer einige schöne Teile und verabschieden uns wieder. Zurück am Erg ist uns nach etwas Abwechslung und außerdem möchte Torge endlich mal selbst das Womo fahren. So stopfen wir ihn ein Polster in den Rücken und er steuert uns langsam über viele kleine Nebenpisten am Erg entlang bis wir wieder einen tollen Platz für die Nacht finden. Nicht ganz so toll ist, dass hier stundenlang ein Stromerzeuger läuft, wir wir später feststellen. Das interessiert uns aber auch nicht so, da wir auf Torges Anregung hin beschließen, die Nacht im Zelt in den Dünen zu verbringen. Wir packen Schlafsäcke, Zelt, Isomatten, Grillrost, Würstchen, Hundefutter usw. zusammen und steigen langsam die Dünen hinauf.

9.1.16 Vorbereitungen für die Nacht im Zelt
9.1.16 Vorbereitungen für die Nacht im Zelt

Auf einem Sattel vor einer großen Düne bauen wir schnell das Zelt auf und steigen dann noch auf die große Düne, wo wir den herrlichen Sonnenuntergang ansehen.

9.1.16 Zeltaufbau kurz bevor die Sonne und das Licht ganz verschwunden sind
9.1.16 Zeltaufbau kurz bevor die Sonne und das Licht ganz verschwunden sind

Dann geht es schnell wieder hinunter. Wir machen Feuer, verspeisen geröstetes Brot und sandige Würstchen. Inzwischen ist es stockdunkel und ziemlich kalt.

9.1.16 Bestes Abendessen ever
9.1.16 Bestes Abendessen ever

Die Kartoffeln werden – wie so oft beim Grillen – nicht gar bis wir satt sind und so buddeln wir sie mit der restlichen Glut im Sand ein, damit wir sie zum Frühstück essen können. Wir lehnen uns zurück, bewundern wieder die vielen Sterne und Sternschnuppen, kriechen dann ins Zelt, spielen noch eine Runde Rommé und schimpfen mit Spike, der sich ausgerechnet heute nicht zusammenrollt, wie sonst immer, sondern ausgestreckt unsere Nähe genießt und dabei schon die Hälfte des wenigen Platzes in Torges kleinem Zelt beansprucht. Aber hauptsächlich sind wir uns ganz nah und sehr glücklich mit unserem kleinen Abenteuer. Wir haben uns den Wecker für den Sonnenaufgang gestellt und um halb sieben steigen wir mit Isomatte, Schlafsack und heißem Tee wieder auf unsere hohe Düne.

10.1.16 Warm eingemummelt warten wir auf den Sonnenaufgang
10.1.16 Warm eingemummelt warten wir auf den Sonnenaufgang

Das Timing ist perfekt und wir sehen ein vollkommenes Naturschauspiel als die Sonne langsam aufgeht und die Dünen in goldenes Licht taucht.

10.1.16 Jetzt ist sie da, die Sonne!
10.1.16 Jetzt ist sie da, die Sonne!

Lange sitzen wir noch dort und gucken nur.

10.1.16 Irgendwie erhaben, so golden und unberührt
10.1.16 Irgendwie erhaben, so golden und unberührt
10.1.16 Blick in die andere Richtung. Da steht irgendwo unser blaues Auto
10.1.16 Blick in die andere Richtung. Da steht irgendwo unser blaues Auto

Dann spielen wir in dem warm werdenden Sand, treten unsere Namen in den Abhang und sind so froh, dass uns nichts treibt.

10.1.16 Bis der nächste Wind kommt, hat Torge uns hier "verewigt"
10.1.16 Bis der nächste Wind kommt, hat Torge uns hier „verewigt“

Später sitzen wir am Zelt und braten die letzten Würstchen zu den inzwischen gar gewordenen Kartoffeln. Torge klettert immer wieder hinauf, kugelt sich runter, springt und wirft große Sandfontainen auf.

10.1.16 So unbeschwert spielend und tobend erlebe ich Torge nur selten
10.1.16 So unbeschwert spielend und tobend erlebe ich Torge nur selten

Erst mittags sind wir zurück am Auto, völlig eins und zufrieden mit uns und der Welt.
Wir fahren nach Merzouga, essen auf einen Rat von Rollo sehr gut „Chez Julia“ und lassen uns einen Campingplatz empfehlen. Bei der „Auberge La Tradition“ stehen wir auf einem weitläufigen Gelände direkt an den Dünen. Ich genieße eine heiße Dusche und wir nutzen das Internet, um nach Hause zu mailen.

10. - 14.1.16 Stellplatz bei der Auberge La Tradition bei Merzouga
10. – 14.1.16 Stellplatz bei der Auberge La Tradition bei Merzouga

Für die Aktualisierung des blogs reicht es heute Abend nicht aber Merle ist so lieb, die Berichte von Deutschland aus hochzuladen. Am nächsten Morgen stehen 2 Kamele und ein Führer für uns bereit.

11.1.16 Liegend sind die Tiere schon groß, aber wenn sie erst aufstehen...
11.1.16 Liegend sind die Tiere schon groß, aber wenn sie erst aufstehen…

Spike sind die großen Tiere etwas unheimlich und er bellt sie vorsichtshalber kräftig an. So müssen wir die erste halbe Stunde abwechselnd mit ihm gehen.

11.1.16 Kameltrecking
11.1.16 Kameltrecking

Dann hat er sich mit der Situation soweit arrangiert, dass er mit Schleppleine nebenher laufen kann. Er tobt begeistert durch die Dünen und wir genießen die gemächliche Schaukelei und die erhöhte Aussicht. Ich liebe das gleichmäßige Dahinschreiten dieser Tiere sehr. Unser Führer summt und singt beim Vorweggehen leise vor sich hin und wir können uns vorstellen, wie das Reisen in der Wüste gewesen sein könnte bevor Geländewagen und Quads mit lautem Gebrumm ihre Spuren zogen. Davon treffen wir vorerst zum Glück keine und können die Ruhe und die Natur genießen. An der „Grand Dune“ vorbei geht es auf die andere Seite des Erg Chebbi. Wir sehen eine hohe, felsige Abbruchkante, die – etwa 20 km entfernt – schon in Algerien liegt. Der Grund ist hier wieder fest und es gibt etwas Bewuchs und später richtige Büsche. Wir ziehen an mehreren „Berbercamps“ vorbei. Die deutlich ausgeschilderten WCs weisen darauf hin, dass es Touristencamps sind. Bei einem weitgehend verlassenen Dorf mit vielen pittoresken Ruinen machen wir Mittagspause, trinken Tee in einem Berberzelt, das – etwas skurril – in einer Ruine aufgebaut und mit hunderten von mit Sand gefüllten Plastikflaschen als Terrasse, Treppenaufgang und Zaun angeordnet, dekoriert ist.

11.1.16 Mittagspause im "verlassenen" Berberdorf
11.1.16 Mittagspause im „verlassenen“ Berberdorf

Unser Führer macht einen „Salade Maroccaine“ für uns und wir ruhen uns lange aus. Torgeist etwas enttäuscht, dass unser Begleiter gar nicht mit uns redet. Ich genieße einfach die Stille. Bevor es weitergeht, gucken wir uns im Dorf ein wenig um, fotografieren die ruhenden Kamele und Torge trifft einen Hirten mit einer Herde wunderhübscher, schwarzer Schafe. Als es weitergeht, wandere ich zunächst zu Fuß, da wir Spike wegen der Schafe nicht frei laufen lassen mögen. Der Boden ist fest und es lässt sich gut laufen. Erst als wir wieder im weichen Sand der Dünen sind, steige ich wieder auf. Spike ist jetzt schon müde und wirft sich immer wieder in den Schatten einer Düne und wartet, dass wir vorbeigezogen sind. Da seine Energie immer noch zum Jagen der Krähen reicht, machen wir uns jedoch keine Sorgen. Die Sandwüste hat jetzt am Nachmittag ein ganz anderes Gesicht, als am Morgen. Das langsame Dahinziehen ist wieder sehr schön.

11.1.16 Ritt in der Abendsonne
11.1.16 Ritt in der Abendsonne

Ich fühle mich so ein bisschen aus der Zeit genommen. Schließlich kommen wir in die Nähe der „Grand Dune“ und die Camps tauchen auf. Diesmal steigt Torge ab, um Spike an die Leine zu nehmen, denn unser Führer erzählte von vielen Katzen im Camp. Außer den Katzen ist noch niemand da und wir erhalten ein Zelt zugewiesen. Dort machen wir auch erst etwas Pause. Mit Spikes Leine fest um die Hand gewickelt, döse ich ein bisschen ein, während Torge sich mit unserem Führer unterhält und die Umgebung erkundet. Kurz vor Sonnenuntergang raffe ich mich auch wieder auf und wir steigen auf die große Düne, die höchste im ganzen Erg. Das ist vielleicht steil und anstrengend, Puh! Auf halber Strecke entwischt uns Spike und tobt zurück zum Camp zu den Katzen. Torge läuft hinterher um ihn wieder einzufangen, was aber unser Führer schon getan hat. Zusammen mit dem Hund gibt er Torge ein Snowboard zum Sandboarden. Der Aufweg ist noch beschwerlicher aber wir schaffen es und stehen mit Brett und Hund oben auf der Düne bevor die Sonne ganz untergegangen ist. Kurz bewundern wir das Panorama, dann verziehe ich mit Spike hinter die Kante, denn der hat unten Bewegung – Kamele – gesehen und möchte lostoben, sie zu jagen… Wenige Minuten später ist die Sonne weg und es wird sofort wieder kalt. Torge rutscht mit dem Board hinunter, Spike und ich lassen es etwas langsamer angehen. Wir sehen mehrere Karawanen auf die Camps zukommen von denen 2 zu uns abbiegen. Wie schön, denn wir beide hatten uns einen geselligen Abend im Camp gewünscht.Der Abend ist nett, wir sind insgesamt 15 Touristen aus Korea, Japan, Italien, Portugal, Chile, Hongkong, Schottland, Amerika und Deutschland. Schnell sind nette Unterhaltungen auf Englisch im Gange und wir beide genießen das sehr. Torge steigt mit einigen anderen, Sandboard und seinem Pulli nochmal auf die hohe Düne und rutscht nochmal mit dem Board hinunter. Dann gibt es Tee, Tee und nochmal Tee bis alle sehr hungrig und endlich die Tajine fertig ist. Auch nach dem Essen wird noch lange geklönt. Als wir schon im Zelt liegen, wird am Lagerfeuer noch Musik gemacht und wir schlafen beim dezenten Klang der Trommeln ein. Die Nacht ist bitterkalt und ich bin diesmal ganz froh, dass Spike mir ganz nahe kommt und die Füße wärmt. Zum Glück gibt es reichlich Decken und jedes mal, wenn ich aufwache, breite ich eine weitere über mir aus, insgesamt drei. Torge schläft im Fleeceschlafsack unter nur einer Decke und wacht die ganze Nacht nicht auf. Um halb sieben werden wir für den Sonnenaufgang geweckt und können beim schnellen Packen Torges Pulli nicht finden – ihr erinnert euch an gestern Abend…. Nach kurzem Überlegen macht er sich auf den Weg nach oben und will dann zu Fuß gehen. Wir sollen heute mit der großen Karawane zurückgehen aber ich kann Spike nicht beruhigen. Er bellt die Tiere an, eines keilt aus, ohne ihm groß weh zu tun, er springt weiter bellend um sie herum und die beiden Führer werden nervös. So beschließe ich, ebenfalls zu Fuß zurück zu gehen. Wir können uns gegenseitig und auch unser Auto und damit das Ziel sehen, wenn wir oben auf einer Düne stehen. Unsere Führer gucken ein bisschen zweifelnd, ziehen dann aber los. Torge und ich treffen uns nachdem er mit seinem Pulli den großen Abhang runter gestürmt ist, sitzen noch einen Moment in der gerade diese Stelle erreichenden Sonne und genießen das alleine sein. Dann stapfen wir durch den oft noch eiskalten Sand und sind fast gleichzeitig mit der Karawane zurück am Platz, wo es im Restaurant noch ein Frühstück gibt, wir Internetadressen austauschen und uns von allen verabschieden. Als wir zuschauen, wie sie alle in einen Kleinbus steigen, sind wir sehr froh über die uns zur Verfügung stehende Zeit und verbringen einen weiteren schönen und unspektakzlären Tag am Rande des Erg Chebbi.

So gut es uns hier gefällt, folgen doch noch einige Anmerkungen: Das Erg ist an dieser Stelle etwa 3-4 km breit,, im Norden allerdings breiter, die Tour einmal außen herum, etwa 80 – 100 km.lang. Auf dieser Seite gibt es mindestens 50 Hotels, Herbergen und Campingplätze, die alle Kameltrecking und/oder Quadtouren anbieten, allein am Fuß der Großen Düne haben wir 4 Camps gezählt. Entsprechend zerfurcht ist das Gelände und entsprechend viel Müll liegt hier leider auch herum. Der Tourismus ist eine wichtig und vermutlich die einzige Einnahmequelle. Das Wasser ist knapp und wird immer knapper, was natürlich nicht so recht zu den Duschgewohnheiten der Touristen passt. Es ist für uns und viele andere Touristen eine tolle Möglichkeit, die Wüste gefahrlos zu erleben und bietet eine Ahnung von ihrer Schönheit, Stille und Weite. Nicht mehr als das aber eben auch nicht weniger!