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Sturm, Gewitter und Regengüsse über Wüste und Atlantik

Von Boujdour fahren wir die eintönige Straße weiter gen Süden und weiter kommen uns viele, viele Konvois mit Militär- und Polizeifahrzeugen entgegen, so dass ich dauernd auf den Seitenstreifen ausweichen muss.  Wir übernachten hinter einem Hügel und bewundern die wunderbaren Formen, die Wind und Sand und vielleicht auch Wassen in den weichen Sandstein geschliffen haben. Manche Höhlen sind so groß, dass Torge sich hineinsetzen kann.

10.2.16 Auswaschungen im Sandstein zw. Boujdour und Dakhla
10.2.16 Auswaschungen im Sandstein zw. Boujdour und Dakhla
11.2.2016 Übernachtungsplatz
11.2.2016 Übernachtungsplatz

Ich fahre am nächsten Morgen los, bevor Torge aufsteht, um endlich Dakhla zu erreichen. Das gelingt auch und wenige km nach der Abzweigung tauchen die ersten Hinweisschilder auf die Kitesurfcamps und später an der Lagune  auch die Camps selbst auf. Jetzt fahren wir auf einer schmalen, ca. 4 km breiten Landzunge, rechts der Atlantik, den wir aber meist nicht sehen können und links die stillerer Lagune mit flachem Wasser und einer hübschen Insel in der Mitte. Still ist allerdings relativ, denn es herrscht hier ein echt starker Wind.  Wir fahren bis in die Stadt Dakhla und im berühmten Café Samarkand frühstücke ich erst mal. Torge gefällt es hier nicht, zu windig, zu sandig, und bleibt im Auto.

11.2.2016 Café Samarkand in Dakhla
11.2.2016 Café Samarkand in Dakhla

Der Wind ist wirklich unglaublich. Wir fahren einige km zurück und checken auf dem Campingplatz ein.  Eigentlich eine hübsche Anlage mit eigenem Strand direkt an der Lagune, nur etwas heruntergekommen. Hier bleiben wir für 2 Nächte, doch es ist einfach stürmisch – sehr stürmisch sogar und meistens kalt. So kalt und windig, dass man sich nicht wirklich draußen aufhalten kann, weil der fliegende Sand wie Nadeln piekst und man sofort Mund und Augen und was weiß ich noch voll hat. Spike weiß gar nicht, wie er sich mal hinsetzen soll, um sein Geschäft zu erledigen. Normalerweise hält er die Ohren aus dem Wind aber dann pustet es hinten so rein…. Wir fahren noch einmal auf die Atlantikseite und verbringen dort einen schönen Tag und beobachten dort die Windsurfer, Wellenreiter und Kitesurfer in der heftigen Brandung  (super spannend), gehen dick eingepackt ein bisschen spazieren, können einen Nachmittag tatsächlich in der Sonne am Strand sitzen  und treffen ein paar nette Leute.
Einmal pumpt Torge sogar das Schlauchboot auf, findet dann aber keinen, der mit ihm aufs Wasser will sondern nur Leute, die ihn davor warnen und packt es etwas frustriert wieder ein. Bei 8 Windstärken, starker Unterströmung und ablandigem Wind sicher eine gute Idee. Für Sportler, die Wind und Wellen lieben, ist  Dakhla sicher ein geiler Platz aber bei solchem Sturm kann man sonst eher gar nichts machen. Nachts schaukelt der Wagen so dall, dass man denkt, irgendwo an Bord zu sein.  Wir übernachten vor allem für die Ver- und Entsorgung noch einmal auf dem Campingplatz, kaufen ein und fahren die Lagune ca. 25 km wieder hinauf. Dort verbringen wir noch einen Tag auf einem freien Platz mit ca. 90 anderen Womos und unter der Obhut einer Polizeistation. Aber auch hier sitzen die Leute die meiste Zeit in ihren Wagen und nur die Extremsportler zieht es bei Flut auf das Wasser. Das Wetter soll für hiesige Verhätnisse extrem sein, so man das  für einen Ort mit 360 Tagen Wind im Jahr sagen kann, und soll auch noch eine Woche so bleiben.
Da möchten wir aber nicht drauf warten. Wir haben so viel Zeit im Wagen zusammen verbracht, dass wir schon anfangen uns gegenseitig auf die Nerven zu gehen – trotz ausgiebiger Hörbuchsessions – wir haben den ganzen Artemis Foul durchgehört. ale 7 oder 8 Bände. Also machen wir uns wieder auf den Weg nach Norden. Den Abend und die Nacht verbringen wir hinter einer großen Sanddünde, die wir auch besteigen. Torge und Spike toben happy herum und wir genießen die Einsamkeit. In Laayoune verbringen wir einen Nachmittag im Café und nutzen das Internet. Auf dem Weg aus Laayoune verfahren wir uns kräftig und so scheitert unser Plan, am Salzsee zu übernachten an der Dunkelheit, in der ich die Piste nicht fahren möchte. Wir bleiben nur einige hundert Meter von der Straße entfernt stehen und essen gemütlich Abendbrot. Als ich schon im Bett liege, hören wir, wie ein Wagen vorfährt, uns umrundet und dann wird vorsichtig geklopft. Die Polizei möchte wissen, ob alles ok ist. Die beiden Herren sind sehr freundlich und haben durchaus Verständnis für meine Bedenken, die Piste im Dunkeln zu fahren. Sie kontrollieren unsere Pässe und versichern uns dann, dass wir uns vollkommen sicher fühlen dürfen, da die Patroullie heute Nacht auf uns aufpassen wird. Am nächsten Morgen fahren wir die Piste noch ein Stück weit hinein, bis wir einen schönen, ebenen, sandigen und einsamen Platz gefunden haben, wo wir Boule und Spike ausgiebig Ball spielen und vor allem mal wieder frei laufen kann. Das genießt er sehr und wir solche Plätze auch. Mittags zieht es sich innerhalb von wenigen Minuten zu und fängt an zu tröpfeln. Wir packen zusammen und fahren zurück zur Asphaltstraße. Der Regen wird stärker und bald gießt es in Strömen, Als wir Tarfaya erreichen, stehen dort die Straßen unter Wasser und die Leute schaufeln und schieben das Wasser aus ihren Haustüren, denn viele Dächer sind wohl auch nicht richtig dicht. Wir sitzen eine Weile im Café und gucken dem Treiben zu und checken unsere Mails. Später fahren wir zum Campingplatz „Villa Bens“, der einige km außerhalb liegt. Auf diesem schönen Platz, nur durch die Straße vom Strand getrennt und sehr liebevoll gestaltet, verbringen wir die nächsten 4 Tage. Es stürmt und gewittert 2 Tage ausgiebig und regnet noch mehr. Der Himmel bietet ein wahres Schauspiel. Wenn zwischendurch die Sonne rauskommt, bilden sich wunderschöne und riesig große Regenbögen.

20.2.2016 Regenbogen über dem Campingplatz Villa Bens bei Tarfaya
20.2.2016 Regenbogen über dem Campingplatz Villa Bens bei Tarfaya

Die Wolken sehen jede Minute anders aus und man kann förmlich zusehen, wie die Pflanzen auf dem Campingplatz das Wasser aufsagen und immer grüner werden. Wir stellen fest, dass eines unserer Fenster nicht dicht ist. Das beunruhigt uns aber nicht so, da es ja in wenigen Tagen wieder warm sein soll und wir alles trocknen können, was wir jetzt zum Aufnehmen der Wassermassen verwenden. Unsere schmutzige Wäsche wird sozusagen schon einmal vorgewaschen. Zum Glück gibt es hier auch eine funtionierende Waschmaschine und einen schönen Trockenplatz. Uns tut es beiden gut, mal ein paar Tage angekommen zu sein. Torge packt die Legokiste aus und ich finde wieder Zeit zum Malen. Und wir erfreuen uns an dem schönen Platz und den guten Duschen und Toiletten. Mit den Schränken voll sauberer Wäsche aber kaum noch Vorräten brechen wir am  Montag auf. In Tarfaya kaufen wir ein und fahren dann weiter gen Norden. Nach den kühlen Regentagen ist es in der Sonne jetzt wieder richtig, Mittags sogar fast zu heiß. Die Gegend ist viel grüner als auf dem Hinweg und überall stehen noch Pfützen. Der unbefestigte Randstreifen ist manchmal gefährlich weich und rutschig und wir sehen mehrere LKW, denen das zum Verhängnis geworden ist. Zum Gück keine gefährlichen Unfälle sondern sie sind nur im Matsch steckengeblieben.  Uns ist nach einem einsamen Platz und den finden wir nördlich vom Park Naila an einer kleinen Senke, in der auch Salz gewonnen wird. Hier stehen wir ganz allein und toben barfuß im Lehm. Dort wo Wasser steht, ist es extrem glitschig, so dass Torge sich von Spike auf dem Bauch durch das Wasser ziehen läßt. Ziemlich feucht und noch mehr lehmig kommen wir zurück zum Auto. Wie gut, dass es eine Außendusche gibt, mit der Torge sich abduschen kann. Und der Rest landet- wie sollte es anders sein?-  in MEINEM frisch gewaschenen Handtuch. Abends wandern wir nochmal dorthin, wo die Salzhaufen liegen, trauen uns aber nicht näher heran, da das Gelände abgesperrt zu sein scheint. Jedenfalls ist dort ein Graben gebuddelt, den wir lieber nicht übertreten. Nach dem Abendessen entwischt uns Spike und Torge läuft im Dunkeln umher und sucht ihn. Wir sind nicht so richtig weit weg vonder Straße, wo auch nachts ab und an ein LKW entlangdonnert. Spike kommt bald darauf von allein zurück. Und Torge hat auf der Suche nach ihm am Meer tote Riesenkrebse gefunden, die wir uns am nächsten Morgen noch ansehen, bevor wir uns wieder auf den Weg machen. Wir fahren durch mehrere Oueds, die natürlich jetzt alle deutlich mehr Wasser führer als vor 2 Wochen und einmal sehen wir einen Schwarm Flamingos im seichten Wasser stehen.  Die sandigen Oueds mit dem jetzt saftigen Grün sind wunderschön anzusehen.
In Tan Tan suchen wir uns wieder ein Café, in dem wir jetzt sitzen und mailen. Das Hochladen von weiteren Fotos müssen wir wieder auf später verschieben

Weit, weit ist der Weg nach Dakhla….

Als wir Sidi Ifni verlassen, geht es erstmal wieder gen Osten sehr kurvig durch die Berge bis Guelmin. Dort füllen wir Vorräte auf und tanken und machen uns dann auf den fast geraden Weg nach Süden. Kurz vor dem Wadi des Flusses Dra, den wir ja lange entlang gefahren sind, führt eine Piste zum Ksar Tafindilt, einem zerfallenen Fort und gleichnamigen Hotel mit Campingplatz. Torge liebt Pisten, da er da meist fahren darf und so fahren wir dorthin. Landschaftlich ist das nach der recht langweilen Fahrt auf der Straße herrlich und sowohl das Ksar als auch das Hotel sind sehr schön. Dort übernachten wir und machen sowohl abends als auch am nächsten Morgen nette Spaziergänge. Dann geht es weiter gen Süden. Schon nach 50 km ist ein toller freier Stellplatz, auch an einem Wadi, zu sehen. Es stehen so etwa 10 Womos da. Also Mittagspause, Spike austoben und sogar baden. Der offene Atlantik ist hier viel zu wild aber in der Flussmündung geht es. Torge und Spike schwimmen mit Klamotten bzw. Fell hindurch nur ich muss nach der Hälfte umdrehen und außen herum gehen, da ich Papiere und Geld in der Westentasche habe. Andere Reisende haben von einem Campingplatz am Meer in 80 km Entfernung erzählt. Mit Mühe kann ich Torge überzeugen, noch weiter zu fahren. Das Fahren ist unangenehm, da die Straße nur gerade eben breit genug für 2 LkW ist. Normalerweise ist hier nicht viel Verkehr aber heute kommen uns immer wieder Kolonnen mit Polizei- und Militärbegleitung entgegen. Später erfahren wir, dass der König in der Gegend war. Wir fahren oben an einer Steilküste entlang und sehen zu unserem Erstaunen immer wieder Angler, die von hier oben mit beeindruckend langen Ruten angeln. Einmal sehen wir ein großes, eingezäuntes Loch. Ich mag da nicht rangehen aber Torge steigt aus und macht Fotos. Das Meer hat die Küste von unten durch einen Tunnel  ausgehöhlt, dann ist die Decke eingebrochen. Und die Straße führt manchmal nur 20 m von der Abbruchkante entlang – Brrrr!
Der Nachtplatz liegt bei einer Vogelschutzinsel und war mal als etwas größeres geplant. Es gibt Beobachtungsstationen, Kilometer lange Wege, Sitzbänke, ein Haus in Form einer Spirale und einen Kassierer.
Wir verlassen den Asphalt und die weißen Womos, fahren die Piste weiter durch und bleiben mit etwas Abstand zu 3 Alltadtrucks stehen. Sofort werden wir eingeladen, uns dazu zu stellen und verbringen einen netten Abend mit Leuten aus A, CH und D. Und haben am nächsten Morgen auch Hilfe beim Finden und Beseitigen einer Undichtigkeit in der Dieselleitung. Oben aus dem Rücklauf tropft es stetig raus. Genau genommen schaue ich nur zu, wie Tobi ein neues Stück Schlauch einsetzt. Dann schrauben Torge und ich noch fast eine Stunde am Dachträger. Fast alle Schrauben haben sich los gerüttelt und müssen festgezogen werden bevor es weiter geht. Heute ist nicht so viel Verkehr und das  Fahren entspannter. Wir halten bei einer riesigen Saline, wo das Salz mit großen Baggern und LkW bewegt wird. Ansonsten ist die Landschaft eintönig, gelegentlich unterbrochen von schönen Sanddünen, die manchmal auf die Straße wehen. In Tarfaya sehen wir das Antoine de Saint Exuperie Museum aber es ist geschlossen, wie fast der ganze Ort. Wir laufen einmal über die Promenade auf den Strand und steigen wieder ein. 35 km vor Laayoune folgen wir wieder einem Hinweisschild und einer 5 km Piste zu einem Camp Beduin mit Campingplatz. Der liegt wunderschön an einem Salzsee, hat vernünftige Ausstattung und wir sind die einzigen Gäste. Am nächsten Morgen fahren wir noch ein Stück auf den See hinaus bis es uns zu weich wird und wir lieber schnell wenden.  Dort frühstücken wir erstmal. Spike darf hier frei laufen und nutzt das begeistert aus. Auf dem Rückweg sehen wir uns noch einen großen Wasserfall mit wenig Wasser an und freuen uns sehr, dass wir diesen Abstecher gemacht haben. Beim Verabschieden ist der Patron vom Campingplatz ganz erstaunt, dass wir uns nicht festgefahren haben. Da sind wir ganz schön stolz, so gut aufgepasst zu haben.
Nun geht es wieder auf die Straße, die inzwischen sehr gut und hinter Laayoune sogar kurz vierspurig ist. Laayoune ist eine hübsche und quirlige Stadt mit viel Industrie am Stadtrand. Kurz danach sehen wir das Förderband, das das Phosphatvorkommen hierher transportiert. Dann kommt wieder Kilometer weit NICHTS. Unterbrochen von Windparks in gigantischen Ausmaßen und Strommasten und gelegentlich einem Dorf, das weitgehend unbewohnt scheint und oft wohl auch ist, da die Menschen für die es gebaut wurde, es oft nicht angenommen haben. Alle Orte sind – noch vom Besuch des Königs – beflaggt, geschmückt und sehr sauber und aufgeräumt. Es gibt breite Bürgersteige, Straßenlaternen, Parks, Schulen, Postämter und Polizeistationen und in den Städten Krankenhäuser, Colleges usw. Was immer man über die Saharapolitik des Königs denken mag: Für die Menschen, die hier wohnen, ist die Infrastruktur oft besser als in anderen abgelegenen Teilen des Landes.
Wir schaffen heute stolze 250 km und sind in Boujdour, etwa 350 km vor Dakhla.

Fotos folgen demnnächst!